Du hast einen Namen für dein Business gefunden und deine Wunschdomain mit der Endung .de war tatsächlich noch frei – Jackpot, oder? Für viele ist das Thema damit erledigt. Genau hier lohnt es sich aber, einen Schritt weiterzudenken.
Die .de ist ein guter Start, aber eben nur der Anfang
Die .de Domain ist für deutsche Unternehmen absolut sinnvoll. Sie wirkt vertraut und seriös. Für viele Kunden ist sie sogar die erste Wahl. Aber – sobald dein Name im Internet öffentlich sichtbar ist – wird er auch interessant für andere. Und genau an diesem Punkt beginnt das Risiko, wenn die .com-Domain nicht in deiner Hand ist.
Warum die .com so wichtig ist
In der Praxis passiert es immer wieder, dass Unternehmen erfolgreich mit einer .de-Domain arbeiten und irgendwann feststellen, dass sich jemand die .com-Domain gesichert hat. Ab diesem Moment hast du ein Problem. Denn nur weil du die .de-Domain besitzt, hast du keinerlei automatisches Recht auf die .com-Domain. Der .com-Besitzer kann also unter dem gleichen Namen auftreten wie du.
In dem Moment verlierst du nicht nur potenzielle Besucher, sondern auch die Kontrolle über deinen eigenen Namen. Und du kannst nichts dagegen tun, außer hoffen, dass der andere die Domain irgendwann wieder hergibt. Und falls ja, dann meistens nicht mehr für ein paar Euro im Jahr, sondern zu einem Preis, der richtig weh tut.
Ärgerlich wird es, wenn Kunden oder Interessenten auf der falschen Website landen. Viele Menschen tippen aus Gewohnheit .com in die Adresszeile, selbst wenn sie eigentlich eine deutsche Firma suchen. Andere merken sich den Namen, aber nicht die Endung, sie klicken z. B. bei Google auf das erste Ergebnis, ohne genauer hinzusehen. Wenn deine .com dann auf eine fremde Seite führt, kann das im besten Fall nur verwirrend sein, im schlimmsten Fall aber deinem Ruf schaden. Besonders dann, wenn dort Werbung, unseriöse Inhalte oder schlicht ein liebloser Auftritt zu sehen sind, der unbewusst auf dich zurückfällt.
E-Mails: ein unterschätztes Risiko
Ein weiterer Punkt, der oft übersehen wird, ist die E-Mail-Kommunikation. Auch wenn deine Adresse auf .de endet, schreiben erstaunlich viele Menschen trotzdem an die .com-Version. Gehört sie dir nicht, verschwindet die Nachricht entweder im Nirwana oder landet bei einer fremden Person. Beides ist unangenehm, vor allem wenn es um Anfragen, Angebote oder vertrauliche Inhalte geht. Mit einer gesicherten .com kannst du solche Mails einfach abfangen und vermeidest unnötige Kommunikationsverluste. Kleine Sache, großer Effekt.
Rechtliche Auseinandersetzungen sind teuer
Oft hört man das Argument: „Mein Firmenname ist doch geschützt.“ Das kann helfen. Aber darauf solltest du dich nicht verlassen. Rechtliche Auseinandersetzungen rund um Domains sind zeitaufwendig, teuer und emotional belastend. Selbst wenn du am Ende Recht bekommst, hast du Zeit, Geld und Energie verbrannt, die du besser in dein Business gesteckt hättest. All das für etwas, das du mit minimalem Aufwand hättest vermeiden können.
Weiterleiten statt doppelt pflegen
Die gute Nachricht: Du musst mit der .com nichts weiter tun. Keine zweite Website, keine doppelte Pflege. Du leitest deine .com einfach auf deine .de weiter und fertig. Oder umgekehrt, wenn die .com als Hauptdomain für dein Business mehr Sinn macht.
Egal, welche der beiden Endungen jemand eintippt, er landet immer bei dir. Für Besucher wirkt das sauber und professionell, für dich ist es ein Thema weniger, über das du dir Gedanken machen musst.
Heute lokal – vielleicht morgen global
Die .com-Domain hat sich über Jahrzehnte als internationaler Standard etabliert. Sie wirkt professionell, vertraut und grenzenlos. Auch wenn du heute ausschließlich in Deutschland arbeitest, weißt du nicht, wo dein Business in zwei oder fünf Jahren steht. Vielleicht arbeitest du mit internationalen Kunden, verkaufst digitale Produkte oder wirst online einfach breiter wahrgenommen. Spätestens dann wirkt es inkonsequent, wenn deine Marke zwar präsent ist, aber die wichtigste Domain-Endung jemand anderem gehört.
Mit oder ohne Bindestrich
Zusätzlich solltest du überlegen, ob deine Domain mit und ohne Bindestrich existiert. Zum Beispiel mein-name.de und meinname.de. Bindestriche werden gerne vergessen oder falsch gesetzt. Wenn du nur eine Variante besitzt, riskierst du, Besucher und E-Mails zu verlieren oder jemand anderem genau diese Lücke zu überlassen.
Die beste Lösung ist, beide Versionen als .de und .com Domain zu sichern und eine davon als Hauptdomain festzulegen. Alle anderen Versionen leitest du konsequent weiter. So ist es völlig egal, wie jemand deinen Namen eintippt – er landet immer bei dir.
Was auch wichtig ist: Ein Name ohne Bindestrich wirkt oft cleaner und ist leichter zu merken. Wenn beide Varianten frei sind, würden wir in den meisten Fällen die Version ohne Bindestrich als Hauptdomain festlegen und die mit Bindestrich nur absichern. Es gibt Ausnahmen, klar, aber als Faustregel funktioniert das ziemlich gut.
Welche weiteren Endungen sinnvoll sein können
Je nach Business können weitere Endungen Sinn machen. Wenn du in Deutschland unterwegs bist, ist die .de gesetzt. Die .com gehört dazu – als Absicherung und weil sie weltweit Standard ist. Damit hast du schon mal das Fundament.
Dann kommt oft die Frage nach .net. Die war früher mal als Technik- und Netzwerkdomain gedacht, ist heute aber eher eine „Ausweich-Domain“. Wenn dein Name sehr generisch ist oder du denkst, dass jemand genau darauf ausweichen könnte, kann es sinnvoll sein, sie mitzunehmen. Pflicht ist sie aber nicht.
.org ist ein Sonderfall. Sie wird stark mit Organisationen, Vereinen und Non-Profits verbunden. Wenn du kein Verein bist, brauchst du sie in der Regel nicht. Sie macht nur Sinn, wenn dein Projekt wirklich in diese Richtung geht oder dein Name sehr allgemein ist und du maximale Absicherung willst.
Spannend wird’s bei Endungen wie .studio, .design, .digital oder .agency. Die sind cool fürs Marketing, aber kein Muss. Wenn sie perfekt zu deinem Business passen und dein Name dort noch frei ist, kannst du sie zusätzlich sichern – einfach damit sie dir gehört. Als Hauptdomain kannst du sie verwenden, wenn du ganz bewusst einen modernen, etwas mutigeren Auftritt willst.
Was viele vergessen: .io. Die ist bei Start-ups, Tech- und Online-Projekten beliebt. Sie wirkt modern und international. Wenn dein Business digital, skalierbar oder englischsprachig ist, kann das eine sinnvolle Ergänzung sein. Für klassische lokale Dienstleister ist sie eher nicht zwingend.
Länderendungen wie .at oder .ch machen nur dann Sinn, wenn du in diesen Märkten aktiv bist oder es planst.
Wovon wir eher abraten würden: Endungen nur zu kaufen, weil sie billig sind. .xyz, .online, .site und Konsorten klingen erstmal nett, bringen dir aber meistens keinen echten Mehrwert. Wenn du sie nicht aktiv nutzt oder absichern willst, sind sie eher Ballast als Schutz.
Die Faustregel ist ziemlich simpel: Alles, was logisch zu deinem Namen passt und realistisch von jemand anderem genutzt werden könnte, solltest du dir sichern.
Für die meisten Selbstständigen und Unternehmen sieht das am Ende so aus: .de und .com sind Pflicht. Eine oder zwei Ergänzungen je nach Branche oder Ausrichtung sind sinnvoll. Wichtig ist nicht, möglichst viele Domains zu besitzen, sondern die naheliegenden und realistischen Varianten abzusichern.
Fazit: Kleine Entscheidung, große Wirkung
Unterm Strich ist die Absicherung deines Namens mit zusätzlichen Domains keine übertriebene Vorsichtsmaßnahme, sondern ein kluger Schachzug. Während die .de dein Auftritt nach außen ist, sorgen die .com und weitere Varianten dafür, dass dir niemand dazwischenfunkt. Für eine überschaubare Investition schützt du deine Marke, deine Sichtbarkeit und das, was du dir aufbaust – heute und in Zukunft. Ein kleiner Schritt mit großer Wirkung – und eine Entscheidung, über die dein zukünftiges Ich ziemlich sicher später froh sein wird.
